Heute stellte Agrarkommissar Hansen im EU-Parlament in Straßburg den EU-Düngemittel-Aktionsplan vor. Martin Häusling, Abgeordneter im EU-Parlament für die Grünen in den Ausschüssen für Landwirtschaft, Umwelt und Gesundheit kommentiert: 

"Dass die EU-Kommission angesichts der zunehmenden geopolitischen Krisen und Konflikte einen Dünge-Aktionsplan vorstellt, zeigt vor allem eines: Europa ist massiv abhängig von synthetischem, mit fossiler Energie erzeugtem Dünger. Wird er knapp, steigen die Kosten auf den Betrieben und schließlich die Lebensmittelpreise. So trifft jede Krise – ob durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine oder die Sperrung der Straße von Hormus – EU-Bürger an der Supermarktkasse. 

Was wie ein Naturgesetz wirkt, ist aber keines. Genauso wie im Verkehr, der Industrie oder im Energiesektor kann – und muss – Europa im Ernährungsbereich unabhängig von fossiler Energie werden. Die Lösungen sind vielfältig, und sie werden langfristig die europäische Ernährungssicherheit stärken, uns weniger erpressbar von Autokraten und fremden Kriegen machen, und gut für Klima und Umwelt sein. 

Es ist deshalb richtig, dass die Kommission im Aktionsplan von Kreislaufwirtschaft, Phosphorrückgewinnung, der Notwendigkeit weiter Fruchtfolgen, Ökolandbau und Bodengesundheit spricht. 

Was aber fehlt, sind konkrete Ziele: zum Beispiel der Anbau von mindestens 10 Prozent stickstoffbindender Leguminosen in der Fruchtfolge. Leguminosen fördern die Biodiversität, verbessern die Wasseraufnahmefähigkeit von Böden, lockern Böden mit tiefen Wurzeln auf und sind nicht zuletzt wertvolle Proteine in unserer Ernährung.

Kritisch sehe ich, dass die Kommission Kreislaufwirtschaft als neue Bioökonomie-Industrie denkt. Alternativen zu Kunstdünger heißt dort oft nicht mehr Gründüngung, Mist oder Gärreste aus regionalen Kreisläufen, sondern RENURE-Verfahren oder Biogas und Biomethan. Lediglich neue industrielle Betriebsmittel verkaufen, während sich am System nichts ändert, ist der falsche Weg.

Denn was die Kommission nur zwischen den Zeilen andeutet: Wir haben in vielen Regionen Europas kein Stickstoffdefizit, sondern ein Überschussproblem. In Deutschland liegen ein Viertel aller Grundwasser-Messstellen über dem Grenzwert. 

Es ist richtig, dass die Kommission an der CO₂-Grenzabgabe für Düngemittelimporte festhält. Eine Abschwächung hätte bedeutet, die EU-Landwirtschaft weiter an klimaschädliche Produktionsweisen zu ketten und europäische Düngerhersteller zu benachteiligen. Auch unterstütze ich vehement die Zölle auf russischen und belarussischen Dünger. Europas Landwirtschaft darf nicht durch Gas- und Stickstoffimporte Putins Krieg mitfinanzieren."