Studie veröffentlicht: PFAS-Pestizide sind größte und gefährlichste Quelle für Ewigkeitschemikalie TFA in der Nahrungskette
Heute wurde eine von Martin Häusling, Mitglied des Europäischen Parlaments in den Ausschüssen für Landwirtschaft, Gesundheit und Umwelt für Greens/EFA, in Auftrag gegebene Studie in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin vorgestellt. Sie zeigt, dass Pestizide mit PFAS-Struktur maßgeblich zur zunehmenden Belastung der Umwelt mit Trifluoressigsäure (TFA) beitragen. Dieses hochmobile, extrem langlebige und toxische Abbauprodukt gelangt in großer Menge über den Einsatz von PFAS-Pestiziden in Böden, Gewässer und Lebensmittel – und ist mit heutigen Methoden nicht mehr aus der Umwelt zu entfernen.
Messdaten und Modellierungen des Umweltbundesamts belegen: In landwirtschaftlich genutzten Regionen sind PFAS-Pestizide die Hauptquelle für die TFA-Belastung des Grundwassers – deutlich vor fluorierten Gasen aus der Kältetechnik oder industriellen Einträgen. Die gefundenen Konzentrationen liegen bis zu hundertfach über bekannten Hintergrundwerten anderer PFAS oder Pestizide.
Martin Häusling fordert entschlossenes Handeln: „PFAS-Pestizide gehören sofort vom Markt. Ewigkeitschemikalien haben in unseren Lebensmitteln nichts verloren. Deutschland muss schnellstens dem dänischen Vorbild folgen und Verbote für PFAS-Pestizide aussprechen. Auch die EU muss endlich handeln: Zulassungsbehörden müssen unabhängig arbeiten, sichere Grenzwerte für TFA festgelegt und die Verursacher zur Verantwortung gezogen werden. Landwirte brauchen Untersützung beim Umstieg auf PFAS-freie Alternativen, und Verbraucher haben ein Recht auf sauberes Wasser und volle Transparenz. Wir dürfen die Last dieser Ewigkeitschemikalien nicht länger auf Menschen und Umwelt abwälzen."
„Die TFA-Kontamination in der Umwelt ist unsichtbar, aber massiv“, sagt Dr. Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker von GLOBAL 2000 und Co-Autor der Studie. „Trifluoressigsäure ist das kleinste und wahrscheinlich langlebigste aller PFAS – ein Stoff, der sich weltweit im Wasserkreislauf anreichert und inzwischen sogar im Blut von Menschen nachweisbar ist. Auf der Basis neuer Erkenntnisse bewerten deutsche Behörden TFA als fortpflanzungsschädigend – es kann das Kind im Mutterleib schädigen und vermutlich auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.“
Dr. Peter Clausing, Toxikologe und Mitautor, kritisiert die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) scharf: „Anstatt die Risiken eigenständig und nach geltenden Kriterien zu prüfen, folgt die EFSA in entscheidenden Punkten den Argumentationslinien der Industrie. Der aktuell vorgeschlagene Richtwert für TFA liegt um den Faktor zehn bis hundert über den Bewertungen anderer Behörden – das ist wissenschaftlich nicht haltbar und gefährdet den Schutz von Umwelt und Bevölkerung.“
Die Autoren unterstreichen die Dringlichkeit der von Deutschland geforderten allgemeinen PFAS-Beschränkung und fordern ein sofortiges Verbot aller PFAS-Pestizide und anderer Stoffe, die TFA freisetzen, sowie eine unabhängige Neubewertung von TFA auf wissenschaftlicher Basis. Ohne rasches Handeln droht eine dauerhafte Kontamination der europäischen Wasserressourcen – mit unabsehbaren Folgen für Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Gesundheit.
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